Archiv der Kategorie: Historisches

Loren D. Estleman – Buffalo Bill

Er führte ein Leben wie im Roman: William F. Cody, genannt „Buffalo Bill“, Viehtreiber, Meldereiter, Soldat, Büffeltöter, aber auch Lügenbold und Aufschneider, der den mythischen „Wilden Westen“ mit erschuf, ihn als Zirkusattraktion präparierte und schließlich überlebte … – Biografischer Roman, der auf Tatsachen basiert, diese aber kunstvoll ausschmückt; dennoch das gelungene Porträt eines ambivalenten Charakters, der bei allem persönlichen Mut fast zwanghaft die Lüge stets der Wahrheit vorzog. Loren D. Estleman – Buffalo Bill weiterlesen

Mac P. Lorne – Der Herr der Bogenschützen

Die Handlung:

Vom enteigneten Sohn eines Verschwörers zum Kommandanten der englischen Langbogenschützen: John Holland, der spätere Duke of Exeter, ist eine schillernde Figur im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich. Mac P. Lorne lässt uns seine Ausbildung bei den walisischen Bogenschützen ebenso hautnah miterleben wie seine Kriegsgefangenschaft und sein mehrfaches Aufeinandertreffen mit einer verblendeten und fanatischen jungen Frau, die einmal als Jeanne d’Arc in die Geschichte eingehen soll und der es gelingt, einen fast beendeten Krieg wieder aufflammen zu lassen – und deren Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen er am Ende nicht verhindern kann, obwohl er ahnt, dass so eine Märtyrerin geschaffen wird … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Herr der Bogenschützen? Das war doch Robin Hood oder? Äh, eher nicht so, nein. Während Robin Hood historisch nie als wirklich lebende Person ermittelt werden konnte, gabs den in diesem Roman beschriebenen John Holland (1. Duke of Exeter und 1. Earl of Huntigdon … so viel Zeit muss sein) und sein Leben wirklich.

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Alistair MacLean – Nevada Pass

Im Wilden Westen des Winters 1873 soll Militär ein durch Krankheit entvölkertes Grenzfort entsetzen. Indianer, Desperados und Saboteure versuchen alles, um den Zug, mit dem die Soldaten fahren, vor der Überquerung des Nevada-Passes in ihre Gewalt zu bringen … – Seltene Mischung aus Western und Thriller: eine Art actionbetonte Version von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“, die dem Konflikt zwischen Gut und Böse noch den Kampf gegen eine lebensfeindliche Natur hinzufügt; handwerklich solide, spannend und immer noch lesenswert.
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Heidi Rehn – Das Haus der schönen Dinge

Glanz und Elend einer Kaufhausdynastie

Als der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich Bayrischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Das von ihm begründete Kaufhaus Hirschvogl am Rindermarkt bedeutet für ihn die Verwirklichung eines Lebenstraums. In den „Goldenen Zwanzigern“ folgt ihm Tochter Lily mit ebenso großer Begeisterung in der Leitung des Hauses nach – zunächst mit Erfolg, doch dann muss sie erleben, wie sich ihre Heimat Anfang der 30er Jahre plötzlich gegen sie wendet…

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Bernard Cornwell – Das Fort


Das Pearl Harbor des 18. Jahrhunderts

Sie segelten unter der Flagge der Freiheit. Sommer 1779: Der Kampf um die Unabhängigkeit der USA von der britischen Krone hat sich in den Süden verlagert. Da nutzt eine britische Infanterieeinheit die Gunst der Stunde: Die Rotröcke segeln in drei Kriegsschaluppen zur nebligen Küste Neuenglands, um dort auf einer Landzunge ein Fort zu errichten – den weit über das Meer sichtbaren Machtanspruch der Krone. Eine Kriegserklärung an die junge Regierung der USA! Als Antwort schicken sie eine riesige Kriegsflotte und mehr als tausend Infanteristen, um die Eindringlinge zu vertreiben. Doch zum Sieg gehört mehr als nur ein großes Heer; zum Sieg gehören ein Plan und Männer, die das Handwerk des Krieges beherrschen …(Verlagsinfo)

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Antonia Hodgson – Der Galgenvogel

Pechvogel Tom Hawkins wird im London des Jahres 1728 erst des Mordes an einem streitsüchtigen Nachbarn bezichtigt, gerät dann in den Bannkreis der intriganten Königin Caroline, bringt einen mächtigen Diebesfürsten gegen sich auf und soll schließlich als unerwünschter Zeuge am Galgen baumeln … – Wie er sich diesem Schicksal nicht nur stellt, sondern trickreich um sein Leben kämpft, schildert Autorin Hodgson dicht, spannend und wendungsreich im zweiten Band ihrer Hawkins-Serie, die abermals ‚historische‘ Stimmung nicht durch Informations-Overkill herbeizwingen will, sondern Fakten handlungsgerichtet einfließen lässt.
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Ulrike Renk – Das Lied der Störche

Die Handlung:

Ostpreußen 1920: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihre Zukunft mehr als ungewiss ist: Ihr Erbe ist nach dem Krieg verloren gegangen, sie hat weder Auskommen noch Mitgift. Während ihre Freundinnen sich in Berlin vergnügen und ihre Jugend genießen, fählt sich Frederike ausgeschlossen. Umso mehr freut sie sich über die Aufmerksamkeit des Gutsbesitzers Ax von Stieglitz. Wäre da nur nicht das beunruhigende Gefühl, dass den deutlich älteren Mann ein dunkles Geheimnis umgibt …
(Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

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Elmore Leonard – Cuba Libre

Ein naiver US-Cowboy gerät 1898 auf der Insel Kuba in die Wirren des dortigen Bürgerkriegs. Er verliebt sich in eine Freiheitskämpferin, legt sich mit der spanischen Kolonialmacht an und fädelt einen lukrativen Betrug ein. Als die USA Spanien den Krieg erklären und auf Kuba einmarschieren, geraten alle Pläne ins Schwimmen … – Autor Leonard zieht alle Register (und bedient sich zahlreicher Klischees), um eine rasante Abenteuergeschichte vor realem historischem Hintergrund zu erzählen: Lesefutter.
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Donald Ray Pollock – Die himmlische Tafel

Drei Brüder versuchen sich 1917 im US-Hinterland als Räuber. Nicht ihr kriminelles Geschick, sondern die Unfähigkeit ihrer Verfolger sichert ihnen die Freiheit, während die Presse sie zu Bestien hochstilisiert. Die blutige Spur der Brüder wird ständig breiter, bis ihre Laufbahn einen kläglichen Höhepunkt erlebt … – Autor Pollock erzählt einerseits deprimierend dicht vom alltäglichen Elend in der tiefsten Provinz, um seine Geschichte andererseits durch knochentrockenen, rabenschwarzen Humor nicht nur zu würzen, sondern auch ihre Absurditäten herauszustellen: ein bemerkenswerter Roman!
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Clifton Adams – Die Stunde des Todes

adams-stunde-des-todes-cover-kleinEx-Marshal Toller hat geheiratet und ist Farmer geworden. Als die Bank- und Eisenbahnräuber-Brüder Brunner das County terrorisieren, zwingt man ihn gegen seinen Willen zurück in den Dienst, obwohl die Chancen denkbar schlecht stehen … – Die nicht nur im Western-Genre beliebte Geschichte vom tapferen Mann, den sein Pflichtbewusstsein wider alle Vernunft zum Handeln zwingt, wird routiniert, ohne Pathos und spannend erzählt, wobei der Verfasser weder ein Heldenlied singt noch sich auf simple Schwarz-Weiß-Zeichnung beschränkt: schmackhaft abgehangene Lektürekost.
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Frederick Busch – Der Nachtinspektor

busch-nachtinspektor-cover-2002-kleinEin abgehalfterter Schriftsteller und ein entstellter Ex-Scharfschütze tun sich im New York des Jahres 1867 zusammen, um einer Bande von Sklavenhändlern das Handwerk zu legen … – Kein ‚normaler‘, mit publikumswirksamen Klischees unterfütterter Historienkrimi, sondern das Psychogramm einer Gesellschaft im Umbruch. Mit enormem Geschick erzeugt Frederick Busch einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann, obwohl er es vielleicht möchte, denn diese Geschichte hat kein Happy-End.
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Bill O’Reilly & Martin Dugard – Killing Kennedy. Das Ende des amerikanischen Traums

JFKs Ermordung, als Thriller erzählt

Dallas, 22. November 1963 – 12:30 Uhr: Lee Harvey Oswald späht durch das Zielfernrohr seines Gewehrs. John F. Kennedys Kopf erscheint kaum einen Meter entfernt. Oswald weiß, dass er kaum Zeit haben wird. Zwei Schüsse wird er sicher abgeben können – drei, wenn er wirklich schnell ist. Sein Ziel klar vor Augen, atmet er aus und drückt den Abzug. Der erste Schuss trifft den Präsidenten im Nacken. Kennedy sackt leicht zusammen, sein Rückenkorsett, das er wegen seiner Kriegsverletzung dauernd tragen muss, hält ihn aber aufrecht. Beunruhigt wendet Jackie sich ihrem Mann zu. Sie greift nach seiner Schulter und schaut ihm ins Gesicht, um zu sehen, was los ist. Kaum fünf Sekunden sind seit dem ersten Schuss vergangen, da schlägt die zweite Kugel in Kennedys Hinterkopf ein und reißt eine klaffende Wunde. Reflexartig fährt seine Hand hoch zur Stirn, doch ein großer Teil der Schädeldecke ist weggeschleudert worden. (Verlagsinfo)

Ich habe dieses Buch 2016 auf dem Flughafen von Atlanta, Georgia, gekauft. Diese Besprechung beruht auf der Originalausgabe.

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Henry Carlisle – In den Fängen des Meeres

Carlisle Fänge des Meeres Cover kleinAnno 1820 steht der junge Kapitän George Pollard vor einer glänzenden Karriere als Walfänger. Doch ein wütender Pottwal versenkt sein Schiff. Ohne Wasser und Lebensmittel beginnen die Überlebenden einander zu fressen. Nach der Rettung bleibt Pollard gezeichnet, er gilt als Unglück bringender „Jonas“ … – Eindrucksvolle Roman-Biografie gänzlich abseits der üblichen Kanonen-&-Klabautermann-Klischees der maritimen Unterhaltungsliteratur.
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Conn Iggulden – Imperator: Das Feld der Schwerter (Imperator 3)

Julius Caesar in Gallien: Actionreiche Abenteuer

Rom im ersten Jahrhundert vor Christus: Nach seinen Siegen über Mithridates und Spartacus gilt Cäsar als der mächtigste Mann im römischen Reich! Nun beginnt der junge Heerführer von ruhmreichen Eroberungsfeldzügen zu träumen – Gallien soll dabei nicht mehr als eine erste Etappe sein.

Doch leider hat Cäsar nicht mit dem Widerstand und der Gerissenheit des Gallierkönigs Vercingetorix gerechnet. Und dann erreicht ihn auch noch eine erschreckende Nachricht aus Rom: Sein Widersacher Pompeius hat die Tyrannei ausgerufen! Wenn Cäsar die Macht wieder an sich reißen will, muss er gegen eines der ältesten Gesetze Roms verstoßen – und mit seinen Legionen den Rubikon überschreiten … (Verlagsinfo)

Dieser Bericht beruht auf der Originalausgabe in der Taschenbuch-Edition.

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Conn Iggulden – König der Sklaven (Imperator 2)

Julius Caesar unter Piraten: Actionreiche Abenteuer

Rom im ersten Jahrhundert vor Christus: Konsul Marius wird brutal ermordet, und Sullas fanatische Anhänger schreien nach Caesars Blut! Nur eine schnelle Flucht aus Rom kann das Leben des jungen Mannes jetzt noch retten. Doch bald schon verwandelt sich der einsame Flüchtling in einen strahlenden Triumphator: Nach beeindruckenden Siegen über die grausamen Seeräuber des Mittelmeers und den mächtigen Griechenkönig Mithridates kehrt Caesar schließlich in die Stadt zurück – an der Spitze einer ganzen Legion von kampferprobten Veteranen. Gerade noch rechtzeitig, um gegen den gefährlichsten Gegner anzutreten, der das Reich je bedrohte: Spartacus – der König der Sklaven … (Verlagsinfo)

Dieser Bericht beruht auf der Originalausgabe in der Taschenbuch-Edition.

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Conn Iggulden – Die Tore von Rom (Imperator 1)

Julius Caesar, der junge Held: Actionreiche Abenteuer im alten Rom

Rom im ersten Jahrhundert vor Christus: Auf einem Landgut nahe der Stadt unterwerfen sich zwei Patriziersöhne einem unmenschlich harten Drill. Eines Tages nämlich sollen Gaius Julius Caesar und sein Freund Marcus Brutus unbesiegbare Soldaten und mächtige politische Anführer sein.

Doch viel zu früh endet die Ausbildung der beiden Jungen: Aufständische Sklaven verwüsten ihr Zuhause und zwingen sie zur Flucht nach Rom. Doch auch dort finden Gaius und Marcus keinen Frieden. Denn sie geraten in ein tödliches Netz aus Intrigen und offenen Machtkämpfen. Das Reich droht in einem blutigen Bürgerkrieg zu zerbrechen! (Verlagsinfo)

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Robert Harris – Imperium (Cicero 1)

Marcus Tullius Cicero ist ein gerissener, mit allen Wassern gewaschener Anwalt und geborener Machtpolitiker. Er wittert seine Chance für eine rasante Karriere – und ahnt noch nicht, dass er damit über Aufstieg und Fall Roms entscheiden soll … (Verlagsinfo)

Der Autor

Robert Harris wurde 1957 im britischen Nottingham geboren. Nach seinem Geschichtsstudium in Cambridge war er als BBC-Reporter und politischer Redakteur des „Observer“ tätig. Die historischen Hintergründe seiner Romane recherchiert Harris als Historiker exakt. Trotzdem schreibt er keine Sachbücher: Er will die Leser gleichzeitig unterhalten und informieren, schreibt der Verlag.

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Gordon D. Shirreffs – Der letzte Zug von Gun Hill

Shirreffs Gun Hill Cover 1986 kleinSheriff Matt Morgan jagt die beiden Cowboys, die seine indianische Ehefrau umbrachten. Einer der Mörder ist der Sohn eines mächtigen Viehbarons. Dieser ist nicht bereit, den Sohn vor Gericht stellen zu lassen, und hetzt Killer auf Morgan, als der auf Gerechtigkeit besteht … – Im Kino ein (Edel-) Western-Klassiker, als Buch eine solide, eigenständige Nacherzählung, die freilich die emotionale Tiefe des Films höchstens im Finale erreichen kann.
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David Liss – Die Papierverschwörung

Im London des Jahres 1719 gerät ein Privatermittler ins Getriebe einer Verschwörung, deren Mitglieder sich finanziell bereichern und die politische Macht an sich ziehen wollen; Mitwisser sind unerwünscht und wurden bisher erfolgreich ausgeschaltet … – Auf realhistorischem Fundament gründet Autor Liss einen trotz des Titels niemals trockenen, sondern schlüssigen und spannenden Historienthriller mit gut gezeichneten Figuren: zeitloses Lesefutter.

Das geschieht:

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Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Die Handlung:

Er stellt sich eine andere Welt vor, in der er selbst jung und gesund und sein Atem angenehm ist und er einer nach Rosen duftenden Frau mit reiner Haut, schönem Gebiss, einem makellosen Körper den Himmel auf Erden bereitet. Ein katastrophales Glücksverlangen überfällt ihn. Er hofft auf ein Wunder, aber das tut er ja die ganze Zeit schon.
Die Geschichte vom Frauenmörder Fritz Honka und von seinen Opfern. Heinz Strunk hat sie erzählt. (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

Hamburg, Anfang der siebziger Jahre. Heinz Strunk nimmt den Leser mit in das Leben von Fritz, genannt Fiete, Honka, der ein ärmliches Dasein in einer kleinen verwahrlosten Wohnung fristet, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und Stammgast in der Kiezkneipe „Der goldene Handschuh“ ist.

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